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Zu Tisch mit Tschanz "Schläger-Doping, wieso nicht legal?"


Jeder Tischtennisspieler weiss, was ich meine, wenn ich von «Boosten» rede. Dabei werden Tischtennisschläger-Beläge mit chemischen Substanzen behandelt. Ausserhalb der Szene ist das Thema unbekannt, doch es führt seit Langem zu Diskussionen. 2008 wurde ein «Frischklebeverbot» eingeführt, welches das Bekleben des Schlägers mit VOC-haltigen Leimen (Kleber mit flüchtig organischen Lösungsmitteln) verbot. Danach wurde das «Boosten» ein grosses Thema. Doch was ist das überhaupt?

Ein Tischtennisschläger setzt sich aus einem Holz und zwei Belägen zusammen, wobei der Belag aus einem Schwamm und dem darauf geklebten Obergummi besteht. Beim «Boosten» werden verschiedene Öle verwendet, die auf den Schwamm aufgetragen werden. Dieser saugt das Öl auf und geht auseinander, worauf sich der Obergummi dehnt und dadurch ein höherer Katapulteffekt beim Spielen entsteht. Der Belag wird weicher und wirkt beschleunigend. Dieses Mittel, der «Booster», kann online erworben werden. Der Internationale Tisch- tennisverband verbietet, den Belag physisch und chemisch zu behandeln, nachdem der Hersteller diesen nach qualifizierten Vorschriften hergestellt hat.

Doch jetzt zum Problem: Vor den Matches werden die Schläger durch die Schiedsrichter geprüft. Einerseits wird die Dicke gemessen, andererseits mit einem Dampf-Test geprüft, ob organisch flüchtige Lösungs-mittel (Frischkleber) verwendet wurden. Ob der Schläger wirklich «geboostet» wurde, kann nicht festgestellt werden. Es gibt kein Gerät oder Verfahren, um festzustellen, ob der Schläger präpariert wurde. Das Resultat: Fast alle Profis präparieren ihre Schläger. Es gibt aber Athleten, die dagegen vorgehen. Es wird gemunkelt, dass diese schon behandelte Beläge von den Herstellern bekommen. Das heisst, die Beläge sind einfach schon im Voraus «geboostet».

Aus meiner Sicht sollte man das «Boosten» legalisieren. Es hat keinen Sinn, diese Regel so zu belassen, da praktisch niemand aus der Szene diese befolgt. Folglich wäre die Legalisierung aus ethischer Sicht für den ganzen Sport und die Athleten viel besser und es wäre kein Thema mehr. Ein anderer Ansatz wäre, hart durchzugreifen, nach Spielen stichprobenartig Beläge vom Schläger abzuziehen und in einem Labor zu prüfen. (Dort kann festgestellt werden, ob «geboostet» wurde.) Jedoch wäre das kostenintensiv, der Spieler müsste seine Beläge opfern und neue Beläge aufkleben. Die Lage scheint mir klar zu sein.


Die Kolumne ist am 24.11 22 in der Volksstimme - Die Zeitung für das Oberbaselbiet erschienen.

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