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15 Jahre Tischtennis. Meine Geschichte

Karriereende. Ein Wort, das ich lange nicht aussprechen wollte.


Nach anhaltenden körperlichen Problemen an meiner Hüfte und meinem Rücken habe ich entschieden, meine professionelle Tischtennis-Karriere zu beenden. Es ist die schwierigste Entscheidung, die ich je treffen musste. Nicht weil mir die Kraft fehlt weiterzumachen, sondern weil mein Körper mir unmissverständlich klar gemacht hat, dass es Zeit ist loszulassen.



Der Anfang: Ein Kind, ein Verein, eine Leidenschaft

Ich war elf Jahre alt, als ich beim TTC Rio-Star Muttenz zum ersten Mal einen Schläger in die Hand nahm. Rio-Star war nicht nur ein Verein. Es war meine Schule. Die beiden chinesischen Profispieler Hu Jiashun und Chengbowen Yang, sowie der erfahrene Schweizer Trainer Rebmann Karl bauten mich systematisch auf. Mit dreizehn Jahren wurde ich in die Leistungssportförderung Baselland aufgenommen. Der Weg von der 3. Liga bis in die NLA dauerte fünf Jahre. Aber jede Stufe davon hat mich geformt.




Rückschläge: Zwei Operationen, ein Wille

2020 und 2022 musste ich mich je einer Hüftoperation unterziehen. Zweimal derselbe Einschnitt. Zweimal das Training von null aufbauen. Zweimal die Frage, ob der Körper wieder mitmacht.

Diese Phasen waren die härtesten meiner Karriere, nicht sportlich, sondern mental. Wenn du monatelang nicht trainieren kannst, während die Saison weiterläuft, testet das alles: deine Geduld, deine Disziplin, deinen Glauben an dich selbst. Aber ich habe mich beide Male zurückgekämpft. Und ich war danach stärker als zuvor. Das ist vielleicht die wichtigste Lektion, die mir dieser Sport mitgegeben hat: Rückschläge definieren dich nicht. Die Art, wie du darauf reagierst, schon.


Meine Einstellung auf dem Tisch war immer dieselbe: gewinnen, alles geben, niemals aufgeben, bis zum letzten Punkt kämpfen. Das hat sich nie verändert. Und das wird es auch nicht.



Die Welt: Shanghai, Karlsruhe, Montpellier und mehr

Tischtennis hat mich an Orte gebracht, die ich mir als Kind nie hätte vorstellen können.

In den Sommern 2016 bis 2019 reiste ich jeweils für ein bis zwei Monate nach Shanghai, wo ich an der renommierten Cao Yanhua Table Tennis School trainierte. Diese Aufenthalte haben meinen Spielstil geprägt und mir früh gezeigt, was Tischtennis auf Weltklasseniveau bedeutet.


Von 2021 bis 2023 pendelte ich regelmässig ans Karlsruher Institut für Tischtennis. Im Sommer 2023 folgte dann der grösste Schritt: Ich zog für zwei Jahre nach Montpellier, wo ich Teil einer internationalen Profigruppe wurde, trainiert gemeinsam mit Alexis und Felix Lebrun, zwei der besten Spieler der Welt. Täglich gegen absolute Weltklasse zu trainieren, in einem anderen Land, in einer anderen Sprache, das formt dich als Spieler und als Mensch.


Neben der NLA spielte ich während fünf Saisons mit einer Doppellizenz in Frankreich beim CTT Olympique Rémois in der Nationale 1, und in dieser Saison zusätzlich beim TTC Bietigheim-Bissingen in der deutschen Regionalliga. Immer auf der Suche nach dem nächsten Reiz, dem nächsten Niveau.


Durch all diese Jahre des Reisens, der Trainingslager, der internationalen Wettkämpfe und des Lebens im Ausland habe ich unglaublich viele Menschen kennengelernt. Freundschaften und Verbindungen, die ich für immer in mir tragen werde.



Pionier: Die Spitzensport-RS

2021 absolvierte ich die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen, als erster Schweizer Tischtennisspieler überhaupt. Die Spitzensport-RS ist ein Gefäss für eine kleine Anzahl selektionierter Athleten aus der ganzen Schweiz, die den Militärdienst mit ihrer Sportkarriere verbinden. 18 Wochen, die mein Leben verändert haben.


Nach der militärischen Grundausbildung folgten Wochen, in denen wir von morgens bis abends trainieren konnten, teilweise auch im Ausland. Nach der RS hatte ich während mehrerer Jahre Zugang zu 130 unterstützten WK-Tagen pro Jahr, mit vollem Zugriff auf die Infrastrukturen des Bundesamts für Sport, finanzielle Unterstützung und Begleitung durch ausgebildete Fachkräfte.


Diese Förderung hat mir ermöglicht, mich auf einem Niveau zu entwickeln, das ohne staatliche Unterstützung kaum möglich gewesen wäre. Dass ich der erste Tischtennisspieler war, der diesen Weg gegangen ist, erfüllt mich bis heute mit Stolz. Ich hoffe, dass ich damit eine Türe geöffnet habe für die nächste Generation.



Der Olympia-Traum

Von 2021 bis 2024 verfolgte ich ein klares Ziel: die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Paris 2024. Ich spielte bis zu zehn WTT-Turniere pro Jahr, so viele wie körperlich und finanziell möglich waren. Meine beste Weltranglistenposition war Nummer 286. Es hat nicht gereicht. Aber ich bereue keinen einzigen dieser Versuche. Dieser Traum hat mich angetrieben, hat mich besser gemacht und hat mir gezeigt, wozu ich fähig bin, wenn ich alles gebe.


Was ich erreicht habe:

·       Schweizer Meister (TOP 8 Rangliste Elite, 2018)

·       Schweizer Doppelmeister (mit Pedro Osiro, 2023)

·       Schweizer Mannschaftsmeister mit Rio-Star Muttenz (2019/2020)

·       5x Schweizer Cupsieger mit Rio-Star Muttenz (2013, 2014, 2015, 2016, 2019)

·       Bestes Weltranking: TOP 286 (2022)

·       Teilnahme Team-Weltmeisterschaften (Halmstad 2018)

·       Teilnahme Team-Europameisterschaften (Luxemburg 2017)

·       Teilnahme Einzel-Europameisterschaften (Linz 2024)

·       Teilnahme Jugend-Europameisterschaften (Zagreb 2016 / Guimaraes 2017)

·       9 Saisons in der NLA, der höchsten Schweizer Liga (TTC Rio-Star Muttenz)

·       5 Saisons in der französischen Nationale 1 (CTT Olympique Rémois)

·       Erster Tischtennis-Athlet in der Spitzensportförderung der Schweizer Armee



Dankbarkeit

Ein riesiges Dankeschön gilt meiner Familie, meinen Trainern, meinen Vereinen, meinen Sponsoren und allen, die an mich geglaubt haben, in den guten Phasen und in den schwierigen. Ohne euch wäre dieser Weg nicht möglich gewesen.


Was kommt

Doch die Geschichte endet hier nicht. Ich kehre dorthin zurück, wo alles begann: zu TTC Rio-Star Muttenz, diesmal als Trainer. Parallel dazu baue ich mein eigenes Coaching-Angebot im Tischtennis auf und studiere Sportwissenschaften an der Universität Basel. Ich will diesem Sport zurückgeben, was er mir gegeben hat, und ich bin überzeugt, dass das nächste Kapitel genauso intensiv und erfüllend wird wie das vergangene.

 
 
 

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